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Das 3-Säulen-Konzept

Ein Wegweiser durch den Dschungel unseres Sozialversicherungssystems.


Wer vorsorgt, sichert sich und seine Familie gegen Heilungskosten, finanzielle Einbussen infolge Invalidität, Todesfall, und die Zeit nach der Pensionierung ab. Das Vorsorgesystem baut sich auf drei Säulen auf.

Die erste Säule (AHV/IV)
Die zweite Säule (BVG/UVG)
Die dritte Säule (Lebensversicherungen, Bankenlösungen)

Die erste Säule (AHV/IV)
Durch die erste Säule soll bei Wegfall des Erwerbseinkommens infolge von Alter oder Tod die Existenz gesichert werden. Sie bringt Leistungen im Alter oder für Hinterlassene. Das ordentliche Rentenalter beginnt bei Frauen mit 64 Jahren und bei Männer bei 65 Jahren. Die Leistungen sind abhängig von der Höhe des bisherigen Einkommens und der Beitragsdauer. Versichert sind obligatorisch alle, die in der Schweiz leben oder arbeiten sowie Schweizer Bürger, die im Ausland für einen schweizerischen Arbeitgeber tätig sind. Auslandschweizer können sich freiwillig bei der AHV versichern. Die Beiträge sind für alle erwerbstätigen obligatorisch. Finanziert werden sie je hälftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die AHV basiert auf dem Umlageverfahren. Das heisst, die heutigen Beitragspflichtigen finanzieren die fälligen Renten.

Das primäre Ziel der Invalidenversicherung ist die Wiedereingliederung ins Berufsleben. Das können beispielsweise Beiträge für Umschulung sein. Eine Rentenzahlung erfolgt in diesem Fall nur dann, wenn eine Ein- oder Wiedereingliederung ins Berufsleben nicht möglich ist.

Die Alters- und Invalidenrente beträgt derzeit minimal 13'680 und maximal 27'360 (Stand Jahr 2009) Franken pro Jahr. Reichen die Leistungen aus AHV/IV zum Leben nicht aus, so werden Ergänzungsleistungen (EL) ausgerichtet. Zusätzlich können bei schweren Gesundheitsschäden Hilflosenentschädigungen geltend gemacht werden.

Die zweite Säule (BVG/UVG)

Die berufliche Vorsorge (Pensionskasse), ist für alle Arbeitnehmer mit einem Mindesteinkommen von aktuell 20'520 Franken pro Jahr (Stand Jahr 2009)obligatorisch. Sie soll Pensionierten, Hinterlassenen und Invaliden zusammen mit der AHV / IV die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung ermöglichen. Versichert werden die Risiken Tod und Invalidität, gleichzeitig wird mit dem Sparbeitrag die Altersvorsorge aufgebaut. Die Beiträge für den Sparteil werden für jeden einzelnen Versicherten in einem separaten Topf angespart. Der Mindestzinssatz beträgt aktuell 2 Prozent (Stand Jahr 2009) für das Obligatorium. Die Arbeitgeber müssen mindestens die Hälfte finanzieren. Zusätzlich können Leistungen versichert werden, welche die Minimalvorschriften des Bundesgesetzes über die berufliche Vorsorge (BVG) übersteigen. Den Selbständigerwerbenden steht die Möglichkeit offen, sich freiwillig nach den Bestimmungen der beruflichen Vorsorge zu versichern.

Die Unfallversicherung gemäss UVG ist obligatorisch für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Deckung gilt gegen gesundheitliche, wirtschaftliche und immaterielle Folgen von Unfällen. Versichert sind einerseits Pflege- und Sachleistungen wie Heilbehandlung, notwendige Hilfsmittel, Reise- und Transportkosten, andererseits Geldleistungen, wie Taggeld, Invalidenrente, Abfindung, Integritäts- und Hilflosenentschädigung und Hinterlassenenrente. Der maximal versicherte Lohn beträgt aktuell 126'000 Franken. Die Finanzierung erfolgt durch den Arbeitgeber. Die Prämien für die Nichtbetriebsunfallversicherung können den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern überwälzt werden. Versichert gegen Nichtbetriebsunfall sind nur die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, welche mehr als acht Stunden pro Woche arbeiten.

Die dritte Säule (Lebensversicherungen, Bankenlösungen)

Mit der privaten Selbstvorsorge können Sie die Leistungen aus der ersten und zweiten Säule ergänzen und nach Ihren persönlichen Wünschen und Bedürfnisse definieren. Grundsätzlich stehen zwei Arten von Vorsorgeformen zur Verfügung, die freie und die gebundene Vorsorge (Säule 3a und Säule 3b).

Gebundene Vorsorge – 3a

Bei der gebundenen Vorsorge ist der maximale Einzahlungsbeitrag für Arbeitnehmer mit Pensionskasse auf derzeit 6'566 Franken begrenzt. Für Selbständigerwerbende gilt maximal 20 Prozent des Erwerbseinkommens oder maximal 32'832 Franken. Die Einzahlung ist bei den Steuern voll abzugsberechtigt. Das heisst, Ihr steuerbares Einkommen reduziert sich um diesen Betrag. Je nach Grenzsteuersatz kann der Abzug für den Einzelnen aufgrund der Steuerersparnis sehr interessant sein. Der Zinsertrag aus der gebundenen Vorsorge ist steuerbefreit. Ob eine Versicherungs-, Banken- oder fondsgebundene Lösung sinnvoll ist, hängt vom Bedarf ab. Wer wegen Einkommenslücken zwingend für das Alter sparen muss und ihm die Sicherheit sehr wichtig ist, dann ist die klassische gebundene Vorsorge bei der Versicherung mit garantierter Verzinsung der richtige Entscheid.

Bei der Auszahlung des Geldes kommt ein reduzierter Einkommensteuersatz von 5 –14 Prozent zur Anwendung. Eine frühzeitige Auflösung ist bei Erwerb von Wohneigentum zum Eigenbedarf, Amortisation eines Hypothekardarlehens, Übergang zu selbständiger Erwerbstätigkeit, Bezug einer Invalidenrente oder Todesfall und bei Verlassen der Schweiz möglich. Die Laufzeit eines Vertrages muss mindestens bis fünf Jahre vor Erreichen des AHV-Alters dauern.

Freie Vorsorge – 3b

Die freie Vorsorge kennt keine besonderen Auflagen. Die Höhe der Versicherungssumme, somit auch der Prämien, ist unbegrenzt. Die Beiträge sind nicht steuerabzugsfähig. Die Zinserträge sind steuerbefreit. Der Rückkaufswert der Lebensversicherung ist im Vermögen zu deklarieren. Der gewünschte Versicherungsschutz, wie Invalidenrentenversicherung, Sparversicherung, Einmaleinlage oder fondsgebundene Versicherung, ist frei wählbar. Vor Abschluss eines Produktes, muss der Bedarf genau geprüft werden. Bei Versicherungen mit Einmaleinlage muss für die Steuerbefreiung die Laufzeit mindestens fünf Jahre dauern und die Auszahlung darf nicht vor dem 60. Geburtstag erfolgen. Frühzeitige Auflösung eines Vertrages ist jederzeit möglich. Allerdings ist mit hohen Rückkaufsverlusten zu rechnen.